Über den Abgrund
Kurs 5 (1/4 Seiten) << | >>

Es war ein schöner Tag. Die Sonne schien von einem strahlend blauen Himmel. Die Blätter an den Bäumen leuchteten in vielen Farben, und der Herbstwind wirbelte das Laub über Wege und Straßen. Natürlich waren Susi und Michael an einem solchen Tag mit ihrer Pfadfindergruppe unterwegs. Wenn der nasskalte November kam, konnten sie noch genug drinnen sitzen. Klaus, ihr Gruppenleiter, hatte sie alle in seinen VW-Bus gesteckt und war mit ihnen an einen kleinen Fluss gefahren. Er war nicht sehr breit - etwa sechs Meter. Aber das Wasser floss schnell und war kalt.



"So, wir bauen jetzt eine Brücke über diesen Fluss", sagte Klaus und holte eine Rolle mit dicken Bindfäden aus dem Kofferraum. "Keine Seilbrücke?", fragte Michael, als er die Bindfäden sah. "Nein, keine Seilbrücke", antwortete Klaus, "heute bauen wir eine Holzbrücke."

Er zeigte den Kindern, wie man Äste fest zusammenbindet. "Wichtig ist, dass ihr richtige Knoten macht, so wie ihr es in der Gruppenstunde gelernt habt. Sonst bricht die Brücke zusammen, wenn ihr den Fluss überqueren wollt." "Dann wird es nass und kalt", nickte Susi.

In der nächsten Stunde suchten die Pfadfinder im Wald stabile Äste und banden sie mit Bindfäden zusammen. Sie bauten Quadrate, die durch ein Kreuz aus Ästen verstärkt wurden. Dann setzten sie die Quadrate zusammen und banden Querhölzer darauf. Einige Pfadfinder arbeiteten schon am Geländer der neuen Brücke. Klaus prüfte die Knoten und nickte zufrieden. Die Kinder machten bessere Knoten, als viele Erwachsene es können.



Endlich war die Brücke fertig. Sie sah recht stabil aus. Klaus holte aus dem VW-Bus zwei Seile, band sie an das Ende der Brücke und warf sie über den dicken Ast einer Buche, die direkt am Flussufer stand.

"Gute Idee!", rief Michael. "So können wir unsere Brücke wie das Falltor einer Burg auf die andere Seite herunterlassen." "Richtig", antwortete Klaus.